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Ligourio

Einführung


Ligourio (auch Lygurion), ein Ort mit etwa 3000 Einwohnern, ist wie ein Amphitheater an den südlichen Fuß des Berges Agioi Taxiarches (griech.: Άγιοι Ταξιάρχες – die heiligen Erzengel) gebaut. Seine Lage ermöglicht einen wunderbaren Blick auf das in Arkadien liegende Parnon-Gebirge (griech.: Πάρνωνας – Parnonas). Beim Anblick der dichten Obst- und Gemüsegärten und der Olivenhaine wird sofort klar, dass die ganze Stärke dieser Umgebung in ihrer Erde liegt, dass die Landwirtschaft eine große Rolle spielt. Marmorbrüche und kleine Holz und Metall verarbeitende Handwerksbetriebe sowie Keramikwerkstätten machen Ligourio zu einem Gebiet mit großer wirtschaftlicher Bedeutung. Selbstverständlich sind die Einwohner auch in der Touristikbranche tätig,   denn die direkte Nachbarschaft zum Heiligtum des Asklepios sowie das jährlich stattfindende «Festival von Epidauros» (griech.: Επιδαύρια) unterstützen die Entwicklung des Fremdenverkehrs ganz erheblich.  

Anfahrt

Ligourio ist 142 km von Athen entfernt. Wenn Sie mit dem Auto anreisen, nehmen Sie die Autobahn Athen – Korinth, verlassen Sie in Höhe des Kanals von Korinth und fahren weiter in Richtung Epidauros. Die KTEL (griech.: ΚΤΕΛ) unterhält eine regelmäßige Verbindung nach Ligourio, sowohl von Athen (Tel.: 210 – 5 13 45 88) als auch von Nauplia (Tel.: 27520 – 2 73 23).  

Ein Blick in die Vergangenheit
Erbaut an den Grenzen des Königreichs Lissa der Antike, erhebt sich hinter dem Ort wie ein Schutzwall der düstere, karge und steinige Berg Arachnaion, der im Altertum den Namen «Sapyselaton» getragen hat. Die Spuren des Königreichs Lissa gehen im Laufe der Zeit verloren, erst im Mittelalter finden sich allmählich wieder Menschen in der Gegend ein, die schließlich Ligourio gründen. Im 14. Jh. wird das Dorf zum ersten Mal erwähnt, die vielen byzantinischen Kirchen jedoch beweisen, dass die Gegend bereits weit früher besiedelt gewesen sein muss. Wer auf den Arachnaion steigt – der Aufstieg ist einfach und ein einmalig schönes Erlebnis – wird leider keine Überreste der großen Feuer finden, die laut der Mythologie entzündet worden waren, um damit den Sieg Mykenes über Troja zu verkünden. Auch nach Spuren der Opferstätten für Zeus, den obersten aller Götter des Olymps, und für seine Gattin Hera, die nach Pausanias einstmals genutzt worden waren, um die Götter um den Segen bringenden  Regen zu bitten, wird man vergeblich suchen. Ligourio nahm an dem Aufstand der Griechen gegen die Türken teil, einige der damaligen Einwohner auch an der Belagerung des Palamidi.
 Die Herkunft des Namens ist unbekannt, die Frage danach beschäftigt griechische Historiker und Linguisten immer wieder, und auch örtliche  Gelehrte haben viele Nachforschungen angestellt und stellen verschiedene Theorien zur Etymologie auf.  Einige davon sind stark vereinfachend und muten deshalb etwas naiv an, so komme der Name von den vielen Weiden (λυγαριά – lygaria) der Gegend, von den Liguren (griech.: Λίγυρες), von dem Adjektiv lygeros (griech.: λυγερός – beugsam), von dem Wort Lygura (griech.: λιγούρα – Übelkeit).  Andere Theorien erscheinen schon ernst zu nehmender, wenn auch kein historischer Beweis erbracht werden kann, so z.B. dass der Name von dem altgriechischen elaiourgion (griech.: ελαιουργείον - Olivenpresse) abgeleitet sei, von lyngourion (griech.: λυγκούριον oder λυγγούριον – Edelstein), von ligyros (griech.: λιγυρός – melodisch).  Eine weitere Erklärung hängt mit der Tatsache zusammen, dass es hier schon immer unzählige Olivenbäume gegeben hat, denn es könnte sich im Laufe der Zeit folgende Veränderungen in den Worten ereignet haben: «ελαιογύριον» (elaiogyron – Olivenpresse), «ελαιών γύροι» (elaion gyri), «λεγουρείον» (legourion), «λιγουρίον» (ligourion), «Λιγουριό» (Ligourio).  Wenn auch einige der oben angeführten Etymologien einleuchtend und überzeugend erscheinen, so ist dennoch festzuhalten, dass keine davon wissenschaftlich belegbar ist, die geschichtlichen Quellen bestätigen keine einzige davon, und somit handelt es sich tatsächlich nur um offiziell nicht anerkannte Theorien.   Die ununterbrochene Existenz des Namens Ligourio, die nachweisbar bis mindestens ins 14. Jh. zurückreicht, bedeutet auf der einen Seite die ununterbrochene Besiedelung der Gegend, auf der anderen Seite auch die Resistenz des Namens gegenüber den Fremdherrschaften der Franken, der Venezianer, der Osmanen und dem plündernden Einfall der Arvaniten.     
Die Bewohner Ligourios empfanden schon immer eine besondere Liebe und großen Respekt für das Heiligtum des Asklepios. Das rührt beweist sich unter anderem dadurch, dass viele Ligourianer ihre Felder 1879 der damaligen Archäologischen Gesellschaft (griech.: Αρχαιολογική Εταιρεία – Archäologiki Eteiria) übereigneten, damit der bis heute unvergessliche Archäologe Panagis Kavadias ohne Hindernisse seine Ausgrabungen in der archäologischen Stätte fortsetzen konnte. Während dieser Arbeiten wurden viele bedeutende Denkmäler in Form von Gebäuden freigelegt, von denen heute einige durch die Epitropi Syntirisis Mnimion Epidavrou (griech.: Επιτροπή Συντήρησης Μνημείων Επιδαύρου – Kommission zur Restaurierung der Denkmäler von Epidauros) teilweise rekonstruiert wurden. Die Ligourianer sind sich der Verantwortung für ihr großartiges Erbe durchaus bewusst, sie wissen um die Einzigartigkeit der Denkmäler, und sie leisten einen großen Beitrag zur wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung der Gegend.

Veranstaltungen
Die Bewohner Ligourios leben in den Monaten, in denen die Vorstellungen im Theater von Epidauros gegeben werden, selbstverständlich ganz in der Atmosphäre, die diese mit sich bringen. Die Tradition der «Epidavrion» (griech.: «Επιδαύριων» - so wird das Theater-Festival genannt) findet jedes Jahr im Juli und im August statt, wo im Theater die großen Tragödien und Komödien der Antike, sowie auch zeitgemäße Stücke, dargeboten werden, welche Menschen aus aller Welt hierher ziehen. Das wirkt sich natürlich auch auf Geist und Psyche der Bewohner Ligourios aus, und so haben sie ein besonders ausgeprägtes Verständnis für Kunst und Kultur sowie ein besonderes Interesse an beidem. Im so genannten „kulturellen September“ finden dann noch zahlreiche künstlerische Veranstaltungen statt, und die Atmosphäre in der ganzen Gegend ähnelt der, wie sie in der Antike gewesen sein könnte.

Örtliche Veranstaltungen
 >Während des Karnevals finden sich viele Menschen in Ligourio ein, um den Veranstaltungen, die der Verein «Kavadias» (griech.:  Καββαδίας) am Rosenmontag (griech.:  Καθαρή Δευτέρα – Sauberer Montag) organisiert, beizuwohnen. Klein und Groß nutzt an diesem Tag die Gelegenheit, maskiert am Karnevalstreiben teilzuhaben.   
>Am Namenstag der Agia Triada (griech.:  Αγία Τριάδα – Heilige Dreifaltigkeit) begeht der Ort Ligourio jedes Jahr ein großes Panijiri (örtl. Fest) mit Tänzen, Liedern und viel Spaß und Freude.
>Der Anbau von Olivenbäumen ist in der Gegend eine Jahrtausende alte Tradition. Daher feiern die Einheimischen in jedem Dezember das «Fest des Öls» (griech.:  Γιορτή του λαδιού – Giorti tou ladiou).

Örtliche Erzeugnisse
Das bekannteste Produkt Ligourios ist sein extra natives Olivenöl, das seit 1996 durch einen Entscheid der Europäischen Union zu den Produkten mit dem Siegel „Geschützter Herkunftsname“ (griech.: Προστατευόμενη ονομασία Προέλευσης - ΠΟΠ, engl.: PDO) gehört. An den Grenzen der Gemeinde finden sich große Flächen mit biologisch angebauten und gepflegten Olivenbäumen.  
Die Bewohner bauen jedoch nicht nur Olivenbäume an, sondern auch Aprikosenbäume und weitere Obst- und Gemüsesorten, für dessen hohe Qualität und ausgezeichneten Geschmack die Gegend sehr bekannt ist. Auch traditionelle Teig- und Nudelwaren, wie z.B. Xylopites (griech.: χυλοπίττες) und Trachanas (griech.: τραχανάς), sind hier erhältlich, und sie sind aus ausgewählten Zutaten und nach überlieferten Rezepten hergestellt, oftmals sogar hausgemacht. Viele Einwohner arbeiten auch in den Marmorbrüchen der Umgebung, der Marmor der Gegend ist berühmt für seine ausgewählt gute Qualität.

Wer Ligourio besucht, sollte sich vor Augen halten, dass die sich die Natur in dieser Gegend zu jeder Jahreszeit zauberhaft schön zeigt. Besonders von den höher gelegenen Häusern aus hat man einen wundervollen Ausblick. Es ist schon ein wundervolles Erlebnis, über Süden und Osten der Argolis zu blicken und dabei das angenehme, gesunde Klima genießen zu können, manchmal bringt der Wind sogar die salzige Frische des Meeres sich – auf der einen Seite vom argolischen, auf der anderen vom saronischen Golf.



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